Kuppelbilder

Die Deckenfresken der Schubertkirche Lichtental Wien 9

Die 3 Flachkuppeln über dem Altar und dem Hauptschiff sind mit Fresken von Franz Zoller ausgestattet. Einzigartig ist das gewählte Thema: Die 7 Vater unser Bitten. An den Rändern der Fresken finden wir den Text des Vater unsers zum jeweiligen Einzelbild.

Franz Anton Zoller war Mitglied der kaiserlich-königlichen Akademie der bildenden Kunst in Wien und kam über die guten Beziehungen des damaligen Pfarrers Hirsch zum kaiserlichen Hof nach Lichtental. So bekam er den Auftrag zur Gestaltung des Hochaltarbildes der 14 Nothelfer und der 4 Deckenfresken. (drei im Langhaus und eine über der Orgel)

Franz Anton Zoller arbeitete 1771 -1772 mit zwei seiner Schüler an den Fresken.
Seine Werke sind nicht nur eine bildliche Interpretation des Gebetes, sondern sie haben ihre eigenen Aussagen und regen so durch seine persönliche Interpretation der Vater unser Bitten zur persönlichen Meditation an.

1. Kuppel

Die Kuppel über dem Altarraum zeigt Gott als Schöpfer von Himmel und Erde. Die Wolken geben den Blick in den Himmel frei. Gott Vater im Strahlenglanz seiner Herrlichkeit. Er ist der Schöpfer der Erde, die er unter seiner rechten Hand hält. Was wir erst in den letzten Jahrzehnten vom Weltall aus gesehen haben und verstehen – unser Erde als den „blauen Planeten“ – das wird hier im Bild schon dargestellt: die blaue Erde. Gott ist aber auch der Schöpfer des Lichts. „Gott sprach und es wurde Licht“. Umgeben ist Gott von himmlischen Wesen, denn der Himmel ist lebendige Gemeinschaft und Gott selbst ist in seiner Dreifaltigkeit (angedeutet durch die dreieckige Gloriole hinter seinem Kopf) liebende Beziehung. Engel und Putenköpfe als Ausdruck des Lobpreises Gottes über und durch seine Schöpfung wie es in der Bibel heißt: Gott sah, dass es gut war. Am unteren Rand des Bildes, auf einem Stückchen Erde, das erste Menschenpaar- die Vollendung der Schöpfung. Die Menschen als dankbar Staunende. Das Gesicht und die Hand Adams zu Gott hin gewendet und voll Dank betend: „Vater unser im Himmel“. Das Thema der ersten Kuppel.

2. Kuppel

Sprechen wir das Gebet des Herrn weiter, so kommen wir zur zweiten Kuppel im vorderen Teil des Mittelschiffes. Das Bildthema: die ersten 3 Bitten des Gebetes: Geheiligt werde dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Im Zentrum der Kuppel erstrahlt der geöffnete Himmel. Mitten in der strahlenden Sonne der Name Gottes: JAHWE – ich bin da – der Gottesname, den Gott selbst dem Mose im brennenden Dornbusch in der Wüste geoffenbart hat. Es sind 4 hebräisch Buchstaben, weil in der hebräischen Schrift nur die Wortkonsonanten geschrieben werden: JHWH – das Monogramm Gottes.
Gott wirft seinen Blick auf die Erde, seine göttlichen Strahlen treffen von der Mitte her auf die Erde und erfüllen sie mit Leben.

Unten in der Mitte sehen wir betende Menschen aus den verschiedensten Volksstämmen und Erdteilen: Einer trägt einen Turban, ein Kniender den Kopfschmuck eines Indianers, links ein Beter mit Schwert an der Hüfte. Sie wenden sich einem gelbbekleideten Alten zu, der stellvertretend für die anderen in Orantenhaltung (beten mit ausgesteckten Armen) ihre Gebete und ihren Lobpreis formuliert und vor Gott bringt. – Fürbitte hält.
Ein Engel neigt sich vom Himmel her aus den Wolken zu den Menschen, um ihre Bitten aufzunehmen und vor Gott zu tragen.
Beten heißt vor allem Gott loben und danken: Also die erste Bitte: geheiligt werde dein Name. Der „Name“ steht im hebräisch – biblischen Denken für die Person selber.

Wenn der Mensch (in den biblischen Visionen) in den geöffneten Himmel schauen durfte, kann er nur in Lobpreis ausbrechen. Der Prophet Jesaja im AT schaut in seiner Berufungsvision den Thron Gottes im Himmel umgeben von Heerscharen von Engeln die rufen:
„Heilig, heilig, heilig, Gott der Heerscharen. Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit“.
Als Christen erinnern wir uns am den Lobpreis Gottes in der Hl. Messe: Die Präfation und das anschließende Sanktus: Heilig, heilig, heilig…
Die erste Bitte: „Geheiligt werde dein Name“

Im Bild rechts steht am Rand geschrieben: zukomme uns dein Reich, die alte Formulierung für: Dein Reich komme.
Wir sehen einen Priester des jüdischen Volkes mit der typischen Kopfbedeckung eines israelitischen Priesters, der am Opferaltar im Tempel von Jerusalem ein Brandopfer darbringt. Rauch steigt zum Himmel empor und mit ihm die Gebete der Menschen. Das Reich Gottes steigt im Gegenzug in Gestalt eines Engels mit Krone und Palme herab. Krone und Palme- Zeichen des Sieges der Martyrer, die bis zum Tod ihren Glauben bewahrt haben..

Auf der linken unteres Seite des Fresko die Schrift die dritte Bitte: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. 
Mose mit den Gesetzestafeln der 10 Gebote als Ausdruck des Willens Gottes für die Menschen. Seine rechte Hand weist den Blick der Umstehenden auf die Steintafeln hin, den Willen Gottes zu erfüllen und seine Gebote zu halten.
Davor knien zwei Betrachter, links ein Jüngling in hellem Gewand, er hält die eine Hand demütig auf die Brust gelegt, die andere deutet nach oben.
Hinter Mose eine Frau, die Allegorie des Glaubens, die mit ihrem gestreckten Zeigefinger die Einhaltung der Gebote einmahnt.
Über der Figurengruppe schwebt ein Engel auf einer dunklen Wolke, der sich demütig vor Gott verneigt und damit ausdrücken will: Vater, dein Wille geschehe im Himmel – und auch auf Erden durch die Befolgung der 10 Gebote. Die Verbindung von Himmel und Erde wird durch eine Wolke symbolisiert, die bis zur Erde herabreicht.

3. Kuppel

Die 3. Kuppel im Mittelschiff ist den 4 weiteren Vater unser Bitte gewidmet.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Gott, der in der ersten Kuppel im Himmel erscheint, in der 2. Kuppel im Namen verherrlicht wird, ist nun in den Sakramenten und den Tugenden offenbar.

In der Bildmitte rechts ist der Glaube als höchste Tugend in Gestalt einer Frau zu sehen. Sie hält in der linken Hand das Kreuz Christi als Zeichen der Erlösung, in der rechten Kelch und Hostie (die Messe ist die „unblutige Erneuerung des Kreuzesopfers“). Von den Zeichen der Eucharistie leuchten helle Strahlen in den düsteren Wolkenhimmel.
Zu Füßen des Glaubens links sehen wir die Hoffnung mit ihrem Symbol des Ankers (glauben bedeutet ja: sich festmachen – verankern in Gott).
In der Mitte der drei Tugenden ist die Liebe abgebildet, in deren Schoß zwei Kinder ruhen. Die Liebe ist es, die Leben ermöglicht und weitergibt.

 

Am unteren Rand in der Bildmitte werden die Bitten des Vater unsers fortgesetzt: Gib uns heute unser tägliches Brot. Dargestellt ist die wunderbare Brotvermehrung, eine Szene aus den Neuen Testament, wo Jesus ein Korb mit 5 Fladenbroten gereicht wird und er durch das Austeilen dieser Brote über 5.000 Menschen satt macht.

 

Rechts im Bild flehen Menschen zu Gott um Vergebung ihrer Schuld. Ein Engel über ihnen tilgt mit einem Schwamm die Schuld der Menschen aus dem Buch des Lebens. Darunter lesen wir: Und vergib uns unsere Schulden wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Allein Gott ist es, der die Schuld der Menschen endgültig vergeben und damit auslöschen kann. „An deine Sünden denke ich nicht mehr“ so heißt es im Psalm.

 

In der Bildmitte oben die Szene gegenüber der Brotvermehrung: Die Versuchung Jesu in der Wüste nach 40 Tagen fasten. Der Teufel führt ihn in Versuchung, sich selbst aus Steinen Brot zu verwandeln. Darunter die Inschrift: Und führe uns nicht in Versuchung.
Führt Gott den Menschen in Versuchung um ihn auf die Probe zu stellen? In der Versuchung Jesu ist es der Teufel, das Böse, die bösen Gedanken aus dem Herzen des Menschen, das ihn versucht. So sind auch wir aufgerufen, in Situationen der Versuchung wie Jesus mit der Kraft Gottes – dargestellt durch die Strahlen von oben – dem Bösen in uns keinen Raum zu geben und zu beten: Lass uns in der Versuchung nicht allein.

 

Auf der linken Seite des Fresko die letzte Bitte des Vater unsers: Sondern erlöse uns von dem Bösen. Der Erzengel Michael mit Flammenschwert weist den Teufel (mit Drachenflügeln und Bocksbein dargestellt), von den betenden Menschen zurück. Der Mensch ist angesichts des Bösen in der Welt leicht überfordert. Da ist Hilfe von oben dringend nötig. Der Engel Michael, dessen Name bedeutet: Wer ist wie Gott – stark wie Gott – ist ein Symbol für die Macht Gottes, die auch das Böse in der Welt besiegen kann.

Fotos: Alexander Gabler, Text: Pfr. Wolfgang Kaes